Bericht Alpenbrevet 2009

Ich treffe den Will am frühen Morgen im Zelt beim Alpenbrevet. Den Hansjörg suche ich per Telefon. Schliesslich sehen wir uns alle wieder kurz vor dem Start und machen uns bereit. Hier findet mich auch noch den Michael, der meinte: 'die Situation ist ja übersichtlich'.. Naja. Da hatte er bei 1700 Teilnehmern eher Glück mit seiner Prognose ;-) Michael fährt eine andere Kategorie (2 maliger RATA Finisher). Während das bei uns anderen eher ein Kampf um's Finishen wird, sieht es bei Michael auch wie Radfahren aus ;-)

Hansjörg will sich ganz hinten einordnen, den Will verliere ich wieder und so fahre ich alleine los. Das kleine Hügelchen bei der Aareschlucht nehmen die Meisten eher gelassen. Dann geht's an die Grimsel. Die riesige Schlange zieht sich nun langsam auseinander. Es ist kühl, stark bewölkt aber es 'riecht' nicht nach Regen. Nach meinen letzten Regenerfahrungen mache ich mir weniger Sorgen wegen des Regens als wegen der Kälte (die durch den Regen natürlich verstärkt würde). Lediglich meine Jacke habe ich mitgenommen. Ansonsten: kurze Hosen, kurzes Trikot, kurze Handschuhe. Aber die Schlepperei stört mich mehr als nasse Füsse..

Erstaunlich gut komme ich nach oben. Mir scheint, als ob die Grimsel kürzer geworden sei. Trotz der höheren Übersetzung meiner Kompaktkurbel (gegenüber der Dreifachen von vorher) kann ich sogar mal 1 od. 2 Gänge hochschalten. Gadmen, die Tunnelumfahrung, Rätrichbodensee sind im Nu erreicht und hier am Rätrichbodensee weht ein kalter Wind. Die Berggipfel um uns herum sind teilweise im Nebel, im Norden sieht man sogar die Sonne durchscheinen.

Der Grimselsee (dahinter der Oberaarsee mit dem Gletscher) ist der 'Anfang' vom Rest der Grimsel. Einige Serpentinen ziehen sich da nach oben zur Passhöhe. Ich kämpfe hier, wie jedes mal, um die letzten Höhenmeter, die mir eben gar nicht mehr so leicht fallen wollen. Hier fehlt mir einfach jeweils immer die Motivation. Aber die Passhöhe kommt auch und eigentlich bin ich zufrieden mit mir und meiner neuen Kompaktkurbel.

Weil ich noch auf den Will warten will, verpflege ich mich dort oben gemütlich. Der Hansjörg sagte ja, er wolle hinten fahren und spätestens im Ziel treffen wir ihn ja wieder. Nach den Diskussionen vor dem Start bin ich jetzt geneigt, nur die Silber-Tour zu fahren. Wie ich später erfahren habe, habe ich hingegen den Hansjörg motiviert, über die Goldtour nachzudenken. Wie auch immer: die Entscheidung fällt in Gletsch!

In der Zwischenzeit ist auch der Will gekommen und wir machen uns auf den Weg nach Gletsch. Gold? Silber? Keine Ahnung. Ich stoppe mal, der Will kommt zu mir und ohne Kommentar ziehen wir die Jacken aus und machen uns auf den Weg zur Furka und fahren somit die Silbertour.

Die Furka läuft mir prima. Weite Teile wurden auch neu asphaltiert und so fährt es sich hier besser als früher. Man muss jetzt nur noch den Steinen ausweichen, nicht auch noch den Schlaglöchern ;-). Das letzte Stück vor dem Hotel Belvédère ist etwas steil, das hat der Asphalt nicht 'ausgebügelt'. Aber was soll's: Neuerdings kann ich ja wieder im Wiegetritt fahren und so habe ich nun ein Mittel dagegen... Nach dem Hotel sind allerdings auch noch einige Höhenmeter zu leisten und kurz darauf kommen wir auf die windige Passhöhe. Hier gibt es keinen Verpflegungsposten aber wir stoppen ohnehin und versorgen uns aus den Vorräten von der Grimsel. Wir ziehen die Jacken an und fahren runter. Autos versperren uns den Weg und weil die griffigere Bremsen haben, gibt es nur 2 Möglichkeiten: überholen oder Abstand nehmen. Ich überhole die vier Wagen und umgreife wegen der Schlaglöcher meinen Lenker etwas besser. Ich will ja schliesslich nicht platt auf der Strasse enden..

Andermatt ist mit wenigen Tritten dann auch noch erreicht und so stehe ich dort etwas rum, und schaue besorgt an den Susten. Wie immer, will auch diesesmal der Susten sein mieses Gesicht nicht ablegen: es sieht nach Regen aus. Das stinkt mir bereits. Nicht genug, dass ich den Susten für seine unablässige Steigung hasse, auch das übliche Wetter liefert er heute.

Der Will erscheint und - welche Überraschung - der Hansjörg steht kurz vor unserer Abfahrt auch da und so entschliessen wir uns, zu warten. Wir haben ja keinen Zeitdruck. Ausser... das Wetter wird nicht besser. Einige Tropfen fallen auch hier schon. Auf der nachfolgenden Abfahrt nach Wassen wird es bereits etwas nass. Ich schaue in den Gallerien wie gebannt auf die zahlreichen Autos, um herauszufinden, ob sie die Scheibenwischer eingeschaltet hätten. Sie haben.. Aber die paar Tropfen hören gleich wieder auf und wir erreichen Wassen (nein, nicht Wasser...) und fahren dort über die Induktionsschlaufen. Einige sind daran vorbeigefahren, weil der Posten dort auf der Bank gepennt hat. Meine Rufe verhallten in 2 Fällen ungehört und so hab' ich es dann gelassen.

Jetzt kommt er also, der Susten, der zubeisst wie ein Kampfhund und erst aufgibt, wenn das Opfer völlig erledigt auf dem Gipfel ankommt und vom Pass verhöhnend die ewig nasse Runterfahrt erdulden muss...

Ganz gemächlich (das konnte ich noch nie, insofern bin ich ja schon happy) fahre ich die ersten Schlaufen hoch und plaudere etwas mit Hansjörg. Will ist schon vorne weg. Die Gallerie ist steil und unangenehm zu fahren. Die Autos sind dort auch nicht unsere Freunde und jedes Motorengeräusch, verstärkt durch den Beton, macht etwas unsicher. Der Susten wirklich nicht mein Freund. Nach der Gallerie macht Will eine Pause. Die Luft ist raus. Nicht bei Will, nein, in seinem Vorderreifen. Wir warten auf ihn und fahren dann weiter. Immer und ohne Erleichterung 'führt' uns der Susten hoch. Dort begegne ich wieder einem Zürcher, der so aussieht, wie ich das 2004 tat: extrem übergewichtig (ach ja, ich seh' immer noch übergewichtig aus...). Ich sage ihm, wie ich ihn bewundere und dass ich damals den Mut nicht gehabt habe, sowas zu fahren. Er hat immerhin schon 2 Pässe hinter sich und fährt dort ganz entschieden hoch. Mein Kompliment! Hallo du 'gelber Zürcher', wenn du die Zeilen hier liest, melde dich doch mal. Irgendwann später macht er dann eine Pause. Ich rate ihm noch, nur noch um die Kurve zu blicken, um das Ende zu sehen. Er winkt ab. Hoffentlich hast du's geschafft!

Immer wieder verlangsame ich meine Fahrt, nicht nur um auf meine Kollegen zu warten, eher, um wieder etwas Erleichterung zu kriegen. Irgendwann habe ich dann genug. Ich trete so gut ich kann hoch, gehe immer wieder in den Wiegetritt, mache ein paar Meter gut, setze mich wieder, zurück in den Wiegetritt... und so kämpfe ich mich hoch, bis ich die letzten Serpentinen erreiche. Da lässt die Steigung etwas nach. Hier nieselt es etwas aus dem Nebel und ich vermute nun, dass es auf der anderen Seite regnet. Ich kämpfe mich also auch hier die letzte Steigung mit aller Kraft hoch und erreiche den Tunnel. Dort schlägt mir ein eiskalter Wind entgegen und mein Rad scheint im Tunnel zu rutschen. Als würde ich auf Schmierseife fahren. Ich komme raus und: es schifft und ist saukalt! Keine Überraschung: der Susten war noch nie mein Freund!

Nach einiger Zeit kommt der Will. Hansjörg kurz darauf auch. Hansjörg schickt uns runter, er werde nachkommen. Naja. Bei ihm habe ich keinen Zweifel ;-), nach Allem, was er schon gefahren ist. Und so mache ich mich auf den Weg, Will folgt und wir schlottern den kalten, regnerischen Pass runter. Natürlich ziehen die Bremsen im Regen nicht mehr und zu allem Überfluss fahre ich auch noch auf eine Autokolonne auf. Typen mit Bremsscheiben (Mountainbiker) überholen mich und sind wohl klar im Vorteil. Ich sehe ein Schild 'Meiringen, 33km' und schaue auf meinen Tacho. Muss ich jetzt tatsächlich noch knapp eine Stunde unter diesen Verhältnissen fahren? Naja. Irgendwann löst sich die Situation mit den gestauten Autos und ich kann es wieder ziehen lassen. Kalt od. nicht, es wird auch langsam fahrend nicht wärmer.

Etwas tiefer wird es dann wärmer, regnet aber immer noch. Endlich erreiche ich Innertkirchen und suche nun mit meinen eiskalten Knieen den Windschatten eines Anderen. Dann noch die kurze Steigung über die Aareschlucht und ich lasse es runterrollen.

Eine od. 2 Minuten später kommt der Will und bevor ich sagen konnte, ich will nach Hansjörg schauen, ist der auch schon da. Er kann halt wirklich fahren...

Ihr wollt Fotos? Meine Frau hat die letzte funktionsfähige Kamera (beim Radfahren nehmen die gelegentlich Schaden) in die Ferien mitgenommen und es gibt nur das hier: http://www.alphafoto.com/search.php?sn=2010&runID=149.

Der Hansjörg: http://www.alphafoto.com/search.php?sn=2182&runID=149

Der Will: http://www.alphafoto.com/search.php?sn=1006&runID=149

Der Michael war wohl zu schnell, von ihm gibt's nur 3 Bilder ;-) - wie immer mit wehendem Gilet.. http://www.alphafoto.com/search.php?sn=1165&runID=149

Ach, nochwas: Will, Hansjörg! Danke für eure Kameradschaft!


Ausgewählte
GPS Geräte
in meinem Shop

© 2007, 2008, 2009 2010adi@JustAdi.ch


Wahlen 2009 Köniz
sip:adrian.zimmermann@justadi.ch
www.AdiSprichtKlartext.ch
Adrian Zimmermann ins Parlament von Köniz
Mein Public Key