Bericht 600km Radmarathon 2009
Ich bin mit dem Dieter losgefahren. Irgendwann nach 7 Uhr... Wir haben uns im Tempo zurückgehalten. Es lief recht gut. Die neue
Strecke beinhaltet auch einen 15%er zum Chilchzimmersattel. Da hat es allerdings kaum Verkehr (Freitag).
In Koblenz (und von hier bis Ramsen hatte ich gleiche Zeiten wie 2007) haben wir nur kurz gehalten und fuhren durch den Schwarzwald.
Regen, Gewitter und Flüsse auf der Strasse begrüssten uns da. Den Regenschutz habe ich auf anraten Dieters ('bestenfalls eine willkommene Abkühlung',
meinte er) in die Tasche für Sargans getan. Da kam Bodensee-Feeling auf (kräftiger Regen). Kaum waren wir dann wieder vom Fahrtwind getrocknet (einigermassen) ging es
gleich wieder los ;-) Was solls: es war wärmer als damals am Bodensee und auch da war ich trotz Regenschutz durch und durch nass (das Wasser ist uns da ja
überall reingelaufen).
Irgendwann kamen wir nach einigen Grenzübertritten (mit ewig freundlichem Lächeln) in Ramsen an. Pünktlich zu unserer Abfahrt dem Bodensee entlang,
beginnt es wieder zu regnen. Wie wir's halt kennen. Vor dem neuen Posten Frasnacht wird es dann wieder trocken (und bleibt so).
Eine halbe Stunde früher als 2007 erreichen wir Sargans. Ich weiss noch, damals konnte ich kaum mehr einen Schritt laufen. Heuer war ich immer noch
prächtig beieinander..
Also, essen, duschen, die verregneten Schmutzkleider tauschen und weiter geht's. Ich bin zuversichtlich, weil wir nun die Zeit eingespart haben, die
ich letztes mal versaut habe. Dieses Jahr ist der Kerenzerberg aber offenbar gewachsen.. Naja. Der war auch irgendwann geschafft und es gab die schönen Gratiskm.
Bis Pfäffikon lief es eigentlich gut, ausser dass ich jetzt müde wurde (wie 2007). 5 min Auszeit habe ich da verlangt und dann sind wir weitergefahren. Das war
aber zuwenig, wie sich zeigen sollte. Die neue Streckenführung bei Wollerau ist unten etwas moderater, oben allerdings hat es ein paar mal recht hohe
Steigunsprozente. Ewig kommt es mir vor, bis ich die Anhöhe endlich erreicht habe. Dort wartet der Dieter wieder auf mich. Zusammen fahren wir dann
runter an den Zugersee. Zweimal bei der Abfahrt (immerhin 70-80km/h) beginnen sich die Bilder meiner Augen zu kreuzen. Ich konzentriere mich besser
und erreiche den See. Zwischen Zug und Arth schlafe ich dann auf dem Rad ein und erwache mitten in der Strasse, weil ich da einen Schlenker gemacht
habe. Zum Glück ist nichts passiert. Ich quäle mich bis Arth und dort gehen wir in einen Laden und kaufen uns Frühstück. Ich lasse den Dieter ziehen und lege mich zum Dösen an die
Sonne. Ca. 30min. Dabei kriege ich noch Gesellschaft. So liegen auf dem kleinen Platz also 4 Leute rum und einer fragt mich, ob die alle noch am Leben
seien... Sie sind es! (auch wenn's nicht so aussieht)
Ich steh' dann wieder irgendwann auf und fahre nach Emmenbrücke. Dort macht sich der Dieter gleich auf den Weg. Ich kann mir jetzt Zeit lassen. Meine
alte Zeit von 33h kann ich jetzt auch nicht mehr verbessern. Und ansonsten geht es mir ja gut und es droht nirgendwo ein Checkpoint-Schluss. Ich
plaudere also rum. Auf dem Weg nach Sursee (mein Gott, ist das Teil langweilig) verliere ich etwas die Motivation, und werde erneut saumüde. Ich setze
mich also nochmal hin und döse an einem Holzstapel. So. Auf geht's. Weiter. Ich wollte die 600km fahren, physisch ging es mir gut und so fahre
ich jetzt einfach die letzten Checkpoints noch ab. Eher freudlos. Affoltern, Ittigen - und dort bleibe ich wieder mal faul sitzen und plaudere rum. Dumm von mir: das
beschert mir nämlich dann auf dem Weg nach Wiedlisbach nochmal eine Dusche... Wohl sehe ich die schwarzen Wolken beim Start aber ich winke die Kollegen
beim Grauholz durch, weil ich ja keinen Zeitdruck habe. Ich entscheide mich aber dann doch nochmal anders, weil ich nicht nass werden wollte und gebe nochmal kräftig Gas..
Ich komme in Wiedlisbach an, mein neues Rad sieht aus wie 'ne Sau und so versuche ich mit meinen Kumpels (Dieter, Hansjörg etc.) da noch ein Bier zu
trinken (wenn ich nur nicht immer dabei gestört würde...)
Schäden? kaum. Mein Knie hat gehalten und tat kaum weh. Einige Zehen und die zwei kleinen Finger habe ich abgedrückt und spüre sie auch heute noch
nicht richtig, aber es wird schon etwas besser. Die tauben Finger stören etwas beim Tippen. Die Zehen brauche ich dazu ja nicht, ich bin ja Informatiker, nicht Landvermesser ;-)
Ein Ziel habe ich erreicht: ich fühlte mich am Schluss noch prima und hätte weiterfahren können. Allerdings habe ich was Neues gelernt: vielleicht
würden einige Stunden Schlaf ganz gut tun... Der Körper nimmt sich halt, was er braucht. Ich werd's nochmal probieren, aber vielleicht vorher mehr
schlafen, damit ich wenigstens ausgeruht hingehen kann.
Für die SMS-Unterstützung während der Tour durch meine Freunde und insbesondere auch 'G.M.H.R'-Syndikat in Nauders danke ich natürlich gerne: Das 'Pavian Syndrom' bin ich schon fast wieder los ;-)
Und Dieter: bei der nächsten Bekloppten-Idee bezahle ich dann wieder die Biere, gell?
Und: nur langsam weicht die 'Freudlosigkeit' der Freude :-)
 Bilder sind hier..
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