Paris-Brest-Paris aus der Sicht von Hansjörg
Anreise von Bern per TGV
Am Samstag morgen habe ich mich mit meinem Rad und Gepäck auf den Weg Richtung Bern gemacht, wo um 8Uhr 23 der TGV in Richtung Paris abfahren sollte. Gemäss Plan sollte ich dann 4h 52 Minuten später bereits in Paris sein. Eine feine Sache.
Mit der RER (S-Bahn) fuhr ich dann vom Gare de Lyon bzw. Austerlitz mit der Linie C5 Richtung Versailles Station Porchefontaine. Gleich 500m von der Station weg ist der Campingplatz Houtopia wo ich mich vorgängig angemeldet habe.
Mein Zelt hatte ich im Nu aufgebaut und orientierte mich mal in der Umgebung. Am gleichen Tag ging ich mit einigen anderen Radfahrern zum Startgelände, das etwa 10km entfernt ist.
Einschreiben
Am Sonntag morgen um 10 Uhr 50 sollte ich mich zum Einschreiben melden.
Um Radverwechslungen oder Diebstahl auszuschliessen wurde im Eingangsbereich eine Nummer auf die Anmeldung, die per Mail zugeschickt wurde, und auf den Fahrradrahmen aufgeklebt. So würde es wenigstens etwas schwieriger, die Räder auszutauschen. Hinter dem Gebäude sind die Fahrradabstellplätze.
Ich war etwas früher dort und wurde mit der Menge reingeschleust. Dass ich zu früh war störte hier niemanden. Im Eingangsbereich der Mehrzweckhalle befand sich eine Tafel mit den Codes der verschiedenen Länder. So fand jeder Teilnehmer seinen Tisch wo er die Dokumente bekam. Die Fahrradkontrolle (Licht und Leuchtweste) hingegen wurde nicht durchgeführt. Diese Kontrolle holten die Organisatoren dann am Montag beim Start nach.
Den Rest des Tages und des Montages verbrachte ich auf dem Zeltplatz und Schloss Versailles.
Warten auf den grossen Moment
Ich habe mich für's Essen eingeschrieben und ging ziemlich früh zur Kantine. Die Schlange war relativ gross und ich stand dort eine halbe Stunde an. Drinnen war alles sehr gut organisiert und wir konnten dann in Ruhe essen. Die Kantine 'Restaurant Les Quadrants' befindet sich allerdings nochmal etwa 500m vom Startgelände entfernt.
Nach dem Essen ging ich sofort Richtung Startgelände wo sich die Räder und deren Fahrer langsam sammelten. Die Fahrer waren um das Gebäude herum verteilt und so konnte ich nie alle startenden Fahrer auf einmal sehen. Der Start erfolgte ja dann gestaffelt nach selber gewählter Zeitvorgabe (80h, 90h). Es wurden ca. 500 Fahrer auf einmal gestartet. Ich war dann um 21 Uhr 50 selbst dran.
Jetzt geht's los!
Beim Startschuss setzte sich meine Gruppe in Bewegung. Die Zuschauer klatschten und riefen 'Bon courage, bonne route' und wir verschwanden in der Dunkelheit. Ich sah nur noch eine schier unendliche Zahl roter kleiner Lichter. So trat ich.... in den Regen!
Ich zog mir die Schuhüberzüge und die Jacke an. Ich verlor den Anschluss an 'meine' Gruppe, wusste aber, dass von hinten Nachschub kam. Der Regen liess dann kurz danach wieder etwas nach und so fuhr ich dem ersten Checkpoint in 140km Entfernung entgegen: Mortange-au-perche. Auf dieser Strecke hatte ich zwei mal vorne einen platten Reifen. Nicht gerade ein motivierender Start. Unser ständiger Begleiter, der Regen, wollte uns diese Nacht nicht mehr aus den 'Augen' lassen.
Die Fahrt
Bis Brest hatten wir wechselhaftes Wetter. Es regnete, war bewölkt und erst kurz vor Brest kam die Sonne etwas hervor. Bevor es sowieso dunkel wurde, 'verzog' sie sich aber gleich wieder ...
Die Strassen sind grobkörnig und haben einen hohen Rollwiderstand. Man sollte auch nicht zu nah am Rand fahren. Spitze Steine und anderer Unrat können sonst ganz schnell zu platten Reifen führen. Am besten fährt man ziemlich genau im linken drittel der rechten Spur (Vorsicht Lastwagen!).
Mit der Zeit denkt man nur noch ans Wichtigste. Was halt gerade so ansteht: Essen, Strecke finden, Treten, sehr wenig schlafen, ich habe nur etwa 5h sitzend an Tischen, liegend in einer Ecke in irgendeinem Esssahl. Die Überlastung durch die lange Strecke manifestierte sich durch aufkommende Schmerzen im linken Knie, die dann bis zum Schluss anhielten. Zusätzlich fing dann später noch die Achillessehne an, sich zu melden. Je näher man aber dem Ziel kommt, desto bedeutungsloser wird das aber. Und man denkt nur noch an Eines: die Zieleinfahrt nach etwas mehr als 1200km!
Die Schlussetappe hatte dann doch noch einige Tücken: ständig waren Ampeln, die zum Halten zwangen. Trotzdem das Ziel nah ist und die Kraft nachlässt, sollte man sich hier dran halten: die Autofahrer sind immer stärker!
Dann, nach etwa 86h kam ich glücklich am Ziel an. Ich hab's geschafft!
Weitere Informationen
Kontrollposten am Beispiel von Fougeres
Die Kontrollposten sind zweckmässig und ähnlich aufgebaut. Es gibt:
- Kontrollbereich
- Verpflegung
- Körperpflege
- Reparaturmaterial
Alle möglichen Kleidungsstücke (Socken, Tricots, Hosen, Handschuhe etc.) und Energieriegel und -Pulver eines Herstellers sind dort erhältlich.
Eine Dusche wird für 3Euro angeboten (inkl. Seife und Tuch).
Kosten
Für Verpflegung und Duschen und Material habe ich rund 200 Euro ausgegeben. Da sind auch 2 Schläuche, ein Reifen und eine dünne Regenjacke mit Klettverschluss dabei (40Euro).
Auf dem Zeltplatz habe ich weitere 150 Euro bezahlt. Die Fahrt mit dem TGV kostete 250 CHF (retour) und Zug/Bus (Nahverkehr) rund 10 Euro. Weitere 80 Euro habe ich für's Essen in der ganzen Zeit ausgegeben. Meist habe ich mich im Supermarkt oder beim Bäcker eingedeckt. Der Chinese nebenan hat ein Menu für 8 Euro angeboten.
Was zu erwähnen wäre..
Verliere weder Karte noch Rahmennummer: Wenn du aus dem Zielgelände kommst, wird das beides nochmal kontrolliert.
Es hat immer wieder Zuschauer, mal mehr mal weniger, die Kaffee, Crépes oä. anbieten.
Man muss es einfach erlebt haben...
Hier gibt's die Bilder: 
|