Paris Brest Paris 2007 mit Werner Wetzel
Hey Folks
Nun ist, es Geschichte das härteste Langstreckenrennen der Welt. Es hatte die erwartete und auch erhoffte Härte. Gemäß Veranstalter war in der Geschichte von Paris-Brest-Paris das Wetter noch nie so schlecht. Es hat geregnet und teilweise wie aus Eimern geschüttet, es hat gewindet und teilweise gestürmt und etwas hat auch die Sonne geschienen. Es sollen 30% Fahrer ausgestiegen sein.
Etappen 1-5
Schon gleich nach meinem Start am Montag 20.08 22:00 Uhr fing es gleich kräftig an zu Regnen und es hörte bis Dienstagabend 19:00 Uhr nicht mehr auf. Meine Motivation war so im Keller, dass ich zu diesem Zeitpunkt eigentlich aussteigen wollte. Aber Ute, Susanne und Gerald überredeten mich erst mal zu schlafen und am anderen Morgen neu zu entscheiden. So ging ich nach duschen, Massage und Nachtessen bei Dauerregen in die Koje.
Etappe 1-5:
Kilometerleistung: 455,3km
Gesamtzeit: 21:00Std
Fahrzeit: 19:08Std
Steigleistung: 3655Hm
Energieverbrauch: 15050Kcal
Durchschnittstemperatur: 13C°
Etwa 350km legte ich bei Regen zurück.
Etappen 6-10
Am Morgen dieses Mittwoch 22.08 war es wieder erwarten trocken und so startete ich um 6:20 Uhr in Ludeac frisch und ausgeruht Richtung Brest, wo ich gegen 14:00 Uhr, inzwischen bei Sonnenschein, ankam. Unterwegs gab es noch einen Geheimkontrolle, ansonsten ging die Fahrt zügig voran. Nachdem bis anhin der Wind die meiste Zeit von vorne kam, hatten wir nun auf dem Rückweg endlich Rückenwind. In die Nacht hinein fing es wieder an zu regnen und als es dann nach Mitternacht wieder richtig an zu Schütten anfing kam wieder eine Geheimkontrolle. Ich stand total durchnässt und durchgefroren in der Halle, überall am Rand entlang lagen Fahrer und schliefen, draussen goss es wie aus Eimer und am Ausgang stand ein Schild „ 46 km bis Tinteniac“. Als ich am Donnertag 23.08 um 03:00 Uhr ankam legte ich mich zwischen all die zum trocknen aufgehängte Wäsche im Wohnmobil.
Etappe 6-10:
Kilometerleistung: 410,8
Gesamtzeit: 20:40Std
Fahrzeit: 18:08
Steigleistung: 3810Hm
Energieverbrauch: 12086Kcal
Durchschnittstemperatur: 17C
Etappen 11-15
Relativ ausgeruht ging nun am Donnertag um 6:30 Uhr weiter Richtung Paris. Aber auch dieser Tag sollte nicht trocken bleiben. Und auch die Müdigkeit machte sich bald bemerkbar. Trotz gut ausgeschilderter Strecke verfahren, aber mit Hilfe dem Handy und meiner Schwägerin war ich ruck zuck wieder auf der Strecke. Jetzt machten sich die Länge der Strecke, der raue Belag, der zum Teil sehr starke Gegenwind und die vielen, vielen Steigungen bemerkbar. Schmerzen in Nacken, Knien und Trizeps, kribbeln in den Fingern und Zehen. Ute musste mich nun bei fast jeder Verpflegungsstelle behandeln. Und gegen Abend begann es wieder zu Pissen. Nun wurde fast jeder 100er mehr auf dem Tacho ein neuer Motivationspunkt. Als ich um 14:25 Uhr in Villaines la Juhel einrollte und die Leute applaudierten und auf dem Tacho 1002km stand kam Gänsehaut auf. In Montagne au Perche nahm ich noch mal eine warme Mahlzeit ein, bis dahin war ich wieder fast im Regen gefahren, bevor es auf die letzten 2 Etappen ging. Und diese zwei waren die Härtesten, weil mein Kopf schon im Ziel war, aber nun kamen ein paar lange Flachstücke mit diesem französischen Belag, der nur rubbelt und überhaupt nicht lauft. Ich musste immer mal wieder anhalten und mich dehnen und neu motivieren. Aber es regnete nun nicht mehr und so näherte ich mich langsam aber sicher dem Ziel in St. Quentin en Yvelines. Ungefähr 20 km vor dem Ziel fuhr mich ein Neuseeländer auf, wir unterhielten uns kurz und plötzlich fing es wieder an zu laufen. Wir lösten uns gegenseitig ab und bewegten uns jetzt richtig flott Richtung Ziel. Auch hatte ich einen Blick auf die Uhr riskiert und wollte vor 5:00 Uhr im Ziel sein, also unter 78Std Gesamtzeit. Also musste meine Ute mit dem Siegerkuss und meine Crew mit den Glückwünschen warten, so dass ich Freitag 24.08 4:59 abstempeln konnte. Tot müde aber glücklich ging ich in die Dusche.
Etappe 11-15:
Kilometerleistung: 382,6
Gesamtzeit: 22:30
Fahrzeit: 18:35
Steigleistung: 2990Hm
Energieverbrauch: 11352Kcal
Durchschnittstemperatur: 16C°
Am Ziel! und erholen
Mit dem Abstand und der Erholung von ein paar Ferientagen kann ich mich jetzt richtig freuen. Auch die Blessuren werden bald nur noch Geschichte sein und bleibt wahrscheinlich nur noch Stolz.
Ich möchte mich auf diesem Wege bei allen bedanken, die im Internet mitgefiebert haben, die mir die Daumen gedrückt haben und die mich mit Ihren SMS und Anrufen immer wieder motiviert haben.
Besonderer Dank gebührt meiner Schwägerin Susanne und meinem Schwager Gerald, die mich die ganzen die ganzen Tage rundum betreut haben und immer wach und ein offenes Ohr für meine Wünsche hatten.
Der grösste Dank gebührt meiner Ute, die mich die ganze Zeit unterstützte, mir den Rücken freihielt, die ganze Reise organisierte, mich an allen Kontrollposten abholte, und mich immer wieder neu motivierte und zum Durchhalten anhielt. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft!
Werner Wetzel
Snow He Ho
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