600km - letztes Brevet für Paris-Brest-Paris

Adis Wetter aktuell von:
(nur am 29/30.6.2007)
 

 


Kurzbericht Radmarathon

Das Wetter war ja bis zum Radmarathon äusserst nass und so habe ich schon das Schlimmste befürchtet: Regen und Kälte! Mein Kleiderinventar ist für 2 Tage/1 Nacht bei Regen nicht ausreichend. Aber nein, es kam anders. Zwar hingen (Wetterprognose vom SF TV stimmte 100% bis ins Detail!) den ganzen Tag noch einige Wolken rum, aber die taten nichts: kein Regen. Gelegentlich verdeckten sie mal die Sonne. So ging es dann 7.30 Uhr mit einer halben Stunde Verspätung über den Hauenstein und den Asphof runter an den Rhein und nach Koblenz. Etwa in Sisselen traf ich Jutta. Nachdem sie eine Weile meinen schweren Vorteil beim Bergabfahren mitgenutzt hat, fuhren wir zusammen nach Koblenz.

In Koblenz trennten wir uns: ich kann nicht noch 500km mit ihr mithalten: sie fährt gegen 20000km jedes Jahr und ist dementsprechend stark: nicht meine Kategorie! Obwohl, sie hat die gemeinsame Weiterfahrt freundlicherweise angeboten. Danke Jutta, aber das wird nichts... Nun kam für mich die nächste Etappe, die ich (wie die Anderen bis Emmenbrücke) noch nie gefahren bin: Nach Ewattingen. Nach der Grenze ging es dann durch das Steinatal hoch. Dort habe ich einige Kollegen überholt und ich machte mir wegen der Warnung in den Tipps der Radmaraton Website Sorgen, ob ich es nicht zu schnell angehe. Also habe ich nach ca. der Hälfte das Tempo etwas reduziert. Das Tal is sehr schön und ich konnte während der Fahrt einige Fotos schiessen (Galerie). Dann endlich war ich in Bonndorf und fuhr entspannt und gut gelaunt nach Ewattingen. Am Checkpoint traf ich ua. Michael Dhom und plauderte etwas mit ihm. Er sei gerade Trondheim-Oslo gefahren, sagt er.

Von Ewattingen geht es mehrheitlich runter. Naja, mit einer Ausnahme: bei dem kurzen Stück am Blumberg, das über 18% Steigung aufweist, habe ich mich an die Worte von Thierry Zürcher erinnert: "Viele laufen dieses Stück, um Kraft zu sparen!". Ich konnte schlicht nicht mehr fahren und so bin ich 200m des Radmarathons gelaufen! Danach lockeres 'Cruisen' bis Ramsen.

Ab Ramsen gings dann flach weiter. Und der liebe Gott hat den Rückenwind eingeschaltet: Abgesehen von meinen 2-3 mal Verfahren habe ich die km nur so 'gefressen'. Das hat Laune gemacht. Allerdings hat das Wetter etwas 'dunkel' gemacht: düstere Wolken ziehen auf. Als ich mit etwa 40km/h dem Bodensee entlang rausche, ruft von hinten einer 'Hoi Adi'! Der Bruno und seine vier oder fünf Kumpels überholen mich. Angekommen beim Checkpoint in Arbon ist es dann schon sehr bedrohlich schwarz und ich kann den Regen förmlich riechen. Ausser meiner Regenjacke habe ich die Regenkleider im Rucksack, der nach Sargans gebracht wurde. Nasse Schuhe ist das Letzte, was ich jetzt brauche. Die Füsse selbst könnte ich ja in Sargans trocknen. Das drückt etwas auf die Motivation. Aber sonst bin ich noch guter Dinge und nehme die nächste Etappe unter die Räder.

Bereits fallen erste Tropfen. Ich schaue nach oben und erwarte Schlimmes. Aber es ist nicht so schlimm wie es aussieht. Gelegentlich (Wetterbericht SF-TV 100%ig richtig!) fallen einige Spritzer aber es regnet nicht richtig. An einer Bahnschranke treffe ich den Ersten der RAAM-Quali: Thomas Ratschob. Er ärgert sich, weil er etwa drei Minuten warten muss, nachdem er rund 10Min. auf seine Verfolger rausgefahren hat. Verständlich. Wir plaudern kurz und ich bin überzeugt, dass er sein gutes Tempo (bis hier 35km/h) halten kann. Viel Glück Thomas! Aber meine Konzentration lässt etwas nach und ich verpasse erneut einige Markierungen des Radmarathons. Genervt davon schliesse ich ich mich einer für mich zu langsam fahrenden Dreier-Gruppe an und hoffe so, die Zeit etwas zu überbrücken. Aber der Eine der Drei hat eine Schwächekrise und so trennen wir uns kurz nach der Grenze in Österreich und ich fahre mit Karsten weiter. Karsten ist wohltrainiert und tritt plötzlich unerwartet kräftig in die Pedale. Er hat wohl auch gesehen, dass wir viel Zeit verloren haben. Wegen meinem Problem mit dem Licht, kann ich ihn nur ablösen, wenn die Strassenbeleuchtung hell genug ist. Viel zu spät (ca. 1h) treffen wir dann in Sargans ein.

Wir essen zuerst, holen den Rucksack, duschen und lassen etwas die müden Füsse baumeln. Wir (bzw. ich) lassen uns Zeit. Ich möchte wieder etwas erholt an den Kerenzerberg gehen (soweit das möglich ist). Aber eigentlich fühle ich mich noch immer gut. Die vielen km, die ich die letzten Wochen gefahren bin, zahlen sich jetzt aus. Viele davon waren ja auch nachts, und so macht es mir auch nichts aus, in der Nacht zu fahren. Danach montiere ich mein Licht, Leuchtweste und andere Gadgets, die mich bei der rasenden Zunft auf der Strasse bekanntmachen sollen. Wie sich später in trauriger Form zeigen sollte, habe ich leider nicht übertrieben.

Still fahren wir etwa 20km flach in Richtung Kerenzerberg los. Ich habe soviel von diesem Berg gelesen, dass ich schon fast verängstigt bin. Ich kann euch aber beruhigen: es ist nur ein Berg. Gar nicht so schlimm. Einfach treten, treten, treten und ihr seid oben. Er ist ja auch nicht so hoch und es ist ja kein Rennen! Karsten, der immer noch mit mir fährt, kennt die Gegend hier sehr gut. Wir fahren also runter an den Zürichsee und dort bis Pfäffikon. Es wird schon langsam hell und weil ich schon die letzte Nacht kaum geschlafen habe, falle ich in Pfäffikon halb schlafend fast vom Rad. Ich trinke also zwei Kaffee und esse etwas. Das andere süsse Zeug dort kann ich schon gar nicht mehr riechen. Geschweige denn Trinken. Ein Eistee liefert eine willkommene Abwechslung. Nach einer relativ langen Pause (so empfand ich es) geht es weiter. Der Sattelpass wartet.

Diese Etappe beschreibe ich nur kurz. Der Sattel ist gelegentlich steil aber nicht so dramatisch. Hinten geht es alles runter ins Gebiet des Zugersees und Vierwaldstättersees.

Endlich, endlich sind wir in Emmenbrücke angekommen. Alle sind hier etwas nervös. Verständlich für mich. Philip, 'mein' guter Geist wartet hier auf mich. Die Sonne scheint und die Erlebnisse der Nacht und des frühen Morgens werden etwas verdrängt. Wir tanken etwas Sonne, Philip versorgt uns aus der Kühlbox und langsam geht es uns besser. Langsam spüre ich die km. Wenn gewichtsbedingt die Berge/Hügel sowohl meine Freunde und jetzt meine 'Feinde' sind, spüre ich, dass ich nur noch wenig Kraft für's Steigen aufbringen kann. Bis Affoltern geht es aber nochmal ganz kräftig hoch.

..und tatsächlich muss ich bei der Steigung nach Ziswil einmal abstehen und einmal einen stärkeren Fahrer vorbeilassen (bin eine Runde über den Parkplatz gefahren, die Autos waren so dicht). So habe ich viel Zeit verloren. Karsten, ein wirklich ruhiger und geduldiger Mensch hat auf mich gewartet. Dann trifft auch mein Nachbar und Radkumpel Thomas auf uns. Er will trotz Verletzung einige km mit uns fahren. Feiner Zug von dir, Thomas! Dann schon kam die Steigung nach Affoltern. Selten habe ich mich auf eine Steigung gefreut; hier aber schon. Oben ist nämlich das Ziel meiner Begierde: der Checkpoint 8!. Ich treffe Fritz Blindenbacher. Wir scherzen darüber in welcher Form ich jetzt noch ins Ziel torkeln könnte: auf allen Vieren kriechend, laufend ohne Schuhe... Der Checkpoint-Schluss ist so weit entfernt, dass man Vieles noch 'flicken' könnte. Das Ziel scheint jetzt ganz nah und erreichbar und das beflügelt nochmal!

Jetzt geht's runter: 10km! Weil es nicht überall so steil ist, kommt der Thomas nach vorn und zieht uns mit, so dass wir uns wirklich 10 Gratiskilometer holen können. Danach führt er uns mit einer phantastischen (dh. hier angepasst) Pace durchs Krauchtal, langsam finden wir wieder zum Radfahren zurück. Das Gestackse (von meiner Seite) wird langsam wieder zu rundem Treten und die Basis, um den Rest dann noch in Angriff zu nehmen. In Stettlen verharren wir nur kurz und nehmen das Grauholz in Angriff.

Am Grauholz muss ich mich in Geduld üben. Es geht nichts mehr so schnell, wie es noch vor Tagen gegangen wäre. Aber ich weiss, dass es jetzt nur noch kleine Steigungen hat. Ein Traktor zieht uns (pssst) in seinem Windschatten bis Hindelbank und danach ist ja das Ende schon in Sicht. Eigentlich fühle ich mich hier super (wir fahren die Etappe inkl. Grauholz und Stopps immerhin noch mit einem 27er Schnitt), lediglich eine mühsame/vererbte Veranlagung zwingt mich jetzt alle ca. 5km die Füsse zu 'vertreten'. So fahren wir Kilometer für Kilometer Wiedlisbach zu. Der Karsten, immer noch geduldig, wartet auch jedesmal, wenn ich wieder mein 'zartes Füsschen' vertreten muss...

Die letzte Steigung vor dem Ziel nehmen wir ruhig. Der Karsten und der Gérald, den wir wiedermal 'aufgesammelt' haben, und ich fahren jetzt gemeinsam hoch zum Ziel und durchs Tor. Das dachte ich wenigstens: Gérald ist auf den letzten 10 Metern wieder mal 'verloren' gegangen und ist halt nicht mit uns auf dem Foto (Keine Ahnung, wie er das macht: er kann - mehrfach bewiesen - von einem Meter zum Anderen verschwinden..). Natürlich freuen wir uns über unsere Leistung. Und viele andere mit uns.

Wir treffen noch die Helma, den Rainer, den Wolfgang, den Hans-Jörg, der Fritz und Andreas trinken ein Bier mit uns, und und und... ein kleines Fest steigt und der Philip bedient mich wie ein Butler. Ich fühle mich fast wie einer der Stars, die die RAAM Quali gemacht haben. Merci Philip. Super gemacht. Bis Dr. Löwenbräu mich noch auf die fällige Urinprobe, Wasser-, Fett- und Gewichtsmessung aufmerksam macht (kein schmeichelhafter Moment)...

Heute, ich bin halbwegs ausgeschlafen, will ich einfach geniessen. Die Erlebnisse nochmal passieren lassen. Und all die lieben Kollegen, die ich getroffen habe. Und wie wertvoll jeder Einzelne ist.

Wow, was für eine Tour, was für ein Erlebnis und nochwas: etwas war dieses Mal ganz anders! Ich habe mich keine Sekunde gefragt, warum ich mir das antue! Ich tat's einfach und hatte 100% Spass dabei.

Jetzt könnte ich also nach Paris gehen. Ich habe mich für die 1200km qualifiziert. Aber irgendwie fühle ich, dass es nicht meine Zeit ist. Es passt einfach nicht. Auch wenn ich vielleicht finishen könnte. Wir schauen in vier Jahren nochmal. Gut Ding will Weile haben, heisst ein altes Sprichwort und ich muss jetzt erst einmal wieder 'Luft schnappen'...

Dem Veranstalter danke ich für die perfekte Organisation! Wir sind uns das ja schon gewohnt, schätzen es aber trotzdem immer wieder :-)

Herzlichen Dank an Alle, die mich während der Fahrt unterstützt und/oder mit SMS angefeuert haben.

einfach euer

Adi

Radmarathon 600km
Bilder sind hier..

Wir sind Herr unserer Wünsche, Tagträume und Ziele. Und wir können und müssen dafür arbeiten.
Ob wir sie erreichen dürfen, liegt nicht in unserer Hand.

Live MP3-Reports

Telefonbericht vom 30.06.2007 05:00:22 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 19:51:54 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 18:01:58 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 17:44:07 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 17:12:48 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 14:09:46 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 11:14:54 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 07:25:04 Uhr
Telefonbericht vom 29.06.2007 05:37:09 Uhr
Telefonbericht vom 26.06.2007 13:23:46 Uhr

Wo bin ich? live

KontrollpunktAnkunftAbfahrt
Start Wiedlisbach-2007-06-29 07:30:10
1 Koblenz 97km2007-06-29 11:11:302007-06-29 11:27:33
2 Ewattingen 53km2007-06-29 14:10:402007-06-29 14:26:56
3 Ramsen 53km2007-06-29 16:56:212007-06-29 17:16:54
4 Arbon 63km2007-06-29 19:52:552007-06-29 20:10:05
5 Sargans/H'kreuz 80km2007-06-30 00:14:142007-06-30 01:55:26
6 Pfäffikon 64km2007-06-30 04:55:572007-06-30 05:29:01
7 Emmenbrücke 69km2007-06-30 09:06:432007-06-30 10:14:49
8 Affoltern 51km2007-06-30 12:37:292007-06-30 13:21:15
9 Stettlen 30km2007-06-30 14:28:312007-06-30 14:53:16
Ziel Wiedlisbach 46km2007-06-30 16:38:02-

Aktuelle Zeiten/km

Geplante Ankunft Gefahrene km Verbleibende km Fahrzeit Pausenzeit
2007-06-30 12:35:00 610 0 27h 27min 5h 41min

Gefahrene Strecke/Höhenmeter auf der Karte

Höhenprofil


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